Die Oder bildet gemeinsam mit der Neiße die natürliche Grenze zu unserem Nachbarland Polen. Seit Polen Mitglied der EU ist, haben wir nun die Möglichkeit beide Flüsse ganz unkompliziert zu befahren. Die Oder ist dabei wohl der größte weitgehend naturbelassene Fluß den man, mit zumindest einem Bein in Deutschland, paddeln kann.

Acht Personen haben August 2018 an unserer Gepäckfahrt teilgenommen. Wildes Campen war dabei nicht nötig, führte aber z.T. zu recht langen Tagesetappen. An den von uns gewählten Übernachtungsorten bietet sich auch die Möglichkeit zur Hotelübernachtung, so dass Zelten nicht unbedingt nötig ist.

Unsere erste Übernachtung haben wir nach Eisenhüttenstadt, der ersten größeren Stadt mit einem Kanuverein am deutschen Teil der Oder, gelegt. Der Kanuverein Aufbau Eisenhüttenstadt am Oder-Spree-Kanal bot uns gute Übernachtungsmöglichkeiten und Zugang zu allem was Paddler glücklich macht.

So konnten wir am Morgen des ersten Tages die Boote nach Guben an der Neiße bringen und dort einsetzen, um schließlich am Abend in Eisenhüttenstadt an den bereits aufgebauten Zelten wieder anzukommen.  Sehr faszinierend waren unterwegs die Natur an Neiße und Oder sowie die Doppelkammerschachtschleuse mit einer Hubhöhe von mehr als zehn Metern, welche den Oder-Spree-Kanal mit der Oder verbindet. Nach telefonischer Anmeldung wurden wir trotz des immensen Aufwandes von einem freundlichen Schleusenwärter problemlos geschleust.

Die weitere Tour verlief nun bis Hohensaaten über die Oder. Wegen der geringen Regenfälle im Sommer führte die Oder Niedrigwasser und die Berufsschifffahrt war eingestellt. Das führte dazu, dass uns pro Tag meist nur zwei oder drei kleinere motorisierte Boote begegneten. Wir konnten uns deshalb immer mitten im Fluss bewegen um die Strömung auszunutzen und den Untiefen in Ufernähe zu entgehen. Dort war es häufig so flach, dass man auch mit den Kajak auflief und treideln musste.

In Hohensaaten paddelten wir durch zwei kleinere Schachtschleusen um auf die West-Oder zu gelangen. Das war nötig, weil nur dort genügend Campingplätze aufzufinden waren. Leider ist die West-Oder im oberen Teil auch recht stark kanalisiert. Im weiteren Verlauf ändert sich das jedoch und die West-Oder wirkt wie ein Fluss. Die Strömung, die uns mit ca. 4-5 km/h lt. GPS Messung auf der Oder recht gut unterstützte, war jedoch nun auf der West-Oder nicht mehr spürbar. 

Die Oder bleibt auf dem ganzen Weg bis hinauf nach Mescherin fast ohne Ortschaften und Gebäude am Ufer. Abgesehen von Eisenhüttenstadt, Frankfurt a.d. Oder und Schwedt liegen nur sehr kleine Orte direkt am Fluss. Einkehr- und Einkaufsmöglichkeiten gibt es selten. Das Anglerheim in Lebus (593,5 km) und das Gasthaus Zollbrücke (651 km) waren hierbei uns sehr willkommene Ausnahmen. Auch in den größeren Orten schließen die Restaurants oftmals bereits am frühen Abend. Die gute Seite der geringen Besiedlung ist aber das damit einhergehende tolle Naturerlebnis, wie es in Deutschland an einem Fluss dieser Größe wohl nur noch hier zu finden ist.

Unser Bedenken, auf dem kostenlosen Campingplatz beim Polenmarkt gegenüber dem Dorf Hohenwutzen zu zelten, haben wir auch deshalb über Bord geworfen, weil es für uns keine geeignete Übernachtungsmöglichkeit auf diesem Flussabschnitt gab. Allen Vorurteilen zum Trotz, standen wir dort sicher und ruhig und waren durch den Markt auch gut versorgt.

Obwohl die Jahreszeit für Vogelbeobachtungen nicht mehr günstig war, haben wir dennoch große Schwärme von Kiebitzen, zahlreiche Raubvögel, darunter auch See- und Fischadler, Graugänse, Kraniche sowie größere Trupps von Nebelkrähen gesehen, ohne uns dafür besonders anzustrengen.

Fazit:

Wer die Natur liebt, sollte die Oder als auch den unteren Teil der Neiße unbedingt einmal befahren. Weiter oberhalb gibt es auf der Neiße zahlreiche Wassereinbauten, die das Fahren mit beladenem Boot recht beschwerlich machen. Auch wenn die Schifffahrt nicht, wie in unserem Fall, eingestellt ist, soll dort nur wenig Verkehr herrschen. Das macht die Oder zu einem einfach zu befahrenden Großfluss, der auf jeden Fall eine Reise wert ist. Kurz hinter Mescherin verläuft die Oder vollständig auf polnischem Staatsgebiet und man passiert nach ca. einer Tagesetappe die Hafenstadt Stettin. Für den geübten Paddler ist es sicher eine gelungene Fortsetzung der Reise bis in das Oderhaff zu paddeln. Man muss aber dort mit Wind und sehr viel mehr Schiffsverkehr rechnen und hat es am Ende mit Großgewässer-Verhältnissen zu tun.

 

Details:

  1. Guben - Eisenhüttenstadt (33km)
    Übernachtung beim Kanuverein Aufbau Eisenhüttenstadt
  2. Eisenhüttenstadt - Frankfurt a.d. O. (36km)
    Übernachtung beim Ruderverein Frankfurt Oder
  3. Frankfurt a.d. O. - Küstrin (35km)
    Übernachtung beim Fischer Schneider Kuhbrücke
  4. Küstrin - Groß Neuendorf (24km)
    Übernachtung auf dem Campingplatz (ca. 650m Bootwagen!)
  5. Groß Neuendorf - Hohenwutzen (29km)
    Übernachtung auf dem Campingplatz am Polenmarkt
  6. Hohenwutzen - Schwedt (36km)
    Übernachtung beim PCK Schwedt
  7. Schwedt - Mescherin (25km)
    Übernachtung auf dem Campingplatz "Am Oderstrom"

Häufig sind wir schon auf der Ruhr oberhalb und auch unterhalb unseres Vereins gepaddelt. Weil die Mündung der Ruhr in den Rhein aber nur mühsam zu erreichen ist, waren wir bislang noch nie bis dorthin vorgedrungen. Kurz vor dem Mülheimer Wasserbahnhof war immer Schluss.

Nahe Ziele ( vom Ruhrgebiet bzw. dem Niederrhein aus gesehen ) für kurze Paddelwochenenden im Verein oder auch nur zu zweit sind immer gesucht. Aber irgendwann hat man die Standardflüsse in der Umgebung abgehakt.  Bei einem Blick auf die Karte haben wir die niederländische Vechte in der Provinz Overijssel mit dem zentralen Ort Ommen entdeckt. Vom Ruhrgebiet ca. 160km und von Mönchengladbach ca. 220km entfernt.

Wir haben einen Ort als Zwischenstopp für den Rückweg von der Vogalonga in Venedig ins Rheinland gesucht. Paddelbar sollte er sein und nicht allzu abseits einer Autobahn liegen. Der Blick auf die Karte zeigte uns dann die Seen der mittleren Schweiz, insbesondere den Vierwaldstätter See. Die folgende Internetrecherche ergab leider nicht viel, abgesehen der üblichen Klischees über die Schweiz: teuer, hohe Berge und strenge Verkehrskontrollen.

Die Wakenitz fließt aus dem Ratzeburger See ab und verläuft auf einer Länge von 14,9km im Wesentlichen in nördlicher Richtung, bis sie schließlich die Hansestadt Lübeck erreicht. Während der deutschen Teilung bildete sie auf langer Strecke die Grenze zwischen West- und Ostdeutschland und ist daher auch heute noch sehr naturbelassen. Paddelt man auf diesen Abschnitten der Wakenitz, hat man das Gefühl durch einen unberührten Urwald, einer Art nordischen Amazonas, zu paddeln.