Drucken

Wir haben einen Ort als Zwischenstopp für den Rückweg von der Vogalonga in Venedig ins Rheinland gesucht. Paddelbar sollte er sein und nicht allzu abseits einer Autobahn liegen. Der Blick auf die Karte zeigte uns dann die Seen der mittleren Schweiz, insbesondere den Vierwaldstätter See. Die folgende Internetrecherche ergab leider nicht viel, abgesehen der üblichen Klischees über die Schweiz: teuer, hohe Berge und strenge Verkehrskontrollen.

Wir wollten unsere eigenen Erfahrungen machen und planten den Vierwaldstätter See als Zwischenstopp fest ein. Dazu haben wir uns eine Route überlegt mit der wir den See innerhalb von 4 Tagen im Uhrzeigersinn umrunden wollten. Auf Grund von Karten und Luftbildern haben wir uns dann 4 in Frage kommende Campingplätze gesucht, die dem Luftbild nach alle am Wasser liegen sollten. Auf eine per Mail gestellte Reservierungsanfrage reagierten alle Betreiber gleich: Eine Reservierung sei nicht möglich bzw. notwendig. Wir sollten nur einen Tag vorher anrufen.

Gestartet wurde die Tour in Flüelen, einem kleinen Ort am Urner See, der in der Vergangenheit eine große Rolle für den Verkehr über den Gotthard gespielt hat. Seit dem Bau des Gotthard-Tunnels aber abgehängt führt er ein ruhiges Dasein. Der Campingplatz liegt am nördlichen Ende des Ortes und klemmt sich terrassenförmig an den Hang. Wir kamen spät am Abend vom Pfingstmontag an und konnten unser Zelt auf der Wiese neben dem Surflager aufstellen. Über das Pfingstwochenende soll es nach Angaben der Campingplatzbetreiber sehr voll gewesen sein und die neben den Dauercampern nur wenigen Plätze für Zelte waren über das Wochenende alle belegt. Für uns wäre dann trotz vorheriger Anfrage kein Platz mehr gewesen.

 

Strand / Start in Flüelen

Der Campingplatzbetreiber verleiht Kanus und Surfbretter und betreibt dazu eine Schule. Auf Grund des guten Wetters und des Ansturms auf seine Schule war er ziemlich gestresst und unfreundlich. Nach einer kurzen und knappen Einweisung zum Thema paddeln auf dem Vierwaldstätter See, Wetter der nächsten Tage und Wetterentstehung allgemein, bekamen wir noch die Broschüre "Kanurouten Vierwaldstätter See" in die Hand gedrückt. Darin waren die für unmotorisierte Wassersportler zwingend einzuhaltenden Routen eingetragen. Es gibt feste Überquerungsstellen. Des Weiteren ist auf Grund abstürzender Steine insbesondere an den Steilufern ein Uferabstand von mindestens 50 Metern einzuhalten. Maximal darf man sich aber nur ca. 300m vom Ufer entfernen, da in der Seemitte die Geschwindigkeit für Motorboote unbegrenzt ist. (Alle Distanzangaben stammen vom Campingplatzbetreiber. Im Nachhinein kennen wir jetzt auch die zugehörige Internetadresse: Kanurouten Vierwaldstätter See) In einem nahegelegenen Gasthof bekamen wir aber noch was zu essen und machten unsere ersten Erfahrungen mit den Preisen der Schweiz.

Das Zelt war am nächsten Morgen schnell abgebaut und das Boot gepackt. Das Auto konnten wir nach Empfehlung des wieder entspannten und jetzt umso freundlicher agierenden Platzbetreibers auf einem nahen kostenlosen und auch etwas abseits und einsam gelegenen Parkplatz im Wald abstellen. Auf dem Campingplatz hätten wir 10 Franken / Tag bezahlen müssen. Wir konnten am campingplatzeigenen Kiesstrand sehr gut einsteigen und ablegen. Als Nicht-Campingplatzgäste hätten wir für den Zugang zum Strand eine Surfer-Tageskarte für 10 Franken kaufen müssen. In diesem Ort war das aber augenscheinlich die beste Möglichkeit ins Boot zu kommen, vor allem für unser Faltboot.

Baum in See

 

So konnten wir unsere Tour bei recht gutem Wetter starten. Das Wasser zeigte sich klar und kalt und entlang der östlichen Uferlinie ging es Richtung Norden. Die Landschaft zeigte sich mit steilen Felswänden und bewaldeten Hängen abwechslungsreich und wild romantisch. Vorbei ging es an der Tellskapelle und der Tellsplatte während auf der anderen Uferseite die Keimzelle der Schweiz, der Ort des "Rüttli-Schwurs" zu sehen war bzw. nicht zu sehen war. Denn dabei handelt es sich lediglich um eine Wiese.

Am Ufer der Stadt Brunnen ergab sich die Chance für eine kleine Pause im Schatten der Uferbäume. Das Ufer war aber wie bisher nur bedingt geeignet eine Rast mit dem Faltboot einzulegen. Aber die Stadt hat eine schöne Uferpromenade mit Bootsanlegern und Stegen. Das Schild "Anlegen verboten - privat" war jedoch nur von der Landseite aus zu lesen. So sind wir über den Steg ausgestiegen, haben das Boot aber an der Kaimauer, in der auch massive Eisenringe eingelassen waren, befestigt und im See schwimmen lassen.

 

 

 

 
Pause in Brunnen

An dieser Stelle ist auch eine durch die Kanukarte gekennzeichnete Querung des Sees möglich, was wir auch taten. Die Sonne hatte mittlerweile den Zenit überschritten und brannte auf uns nieder. Am Ufer stehende Bäume boten nur leidlichen Schutz vor der Sonne, da wir ja nicht so dicht ans Ufer fahren durften. Am Schwibogen, einer in der Karte verzeichneten markanten Stelle am Steilufer, erlebten wir dann auch warum es diesen Sicherheitsabstand gab. Mit leisem Krachen und Knacken im Wald machte sich ein kopfgroßer Stein bemerkbar, bevor er ca. 2 m von der Uferlinie entfernt in das Wasser fiel. An unserem Boot und an uns hätte dieser Stein erheblichen Schaden anrichten können. Wir paddelten weiter und die Landschaft änderte sich. Das Steilufer verschwand, die Hänge wurden grün und das Tal weitete sich.  


Langsam zog bei immer noch spiegelglattem Wasser das Ufer vorbei, bevor wir in Bouchs einen flachen Kiesstrand zum Anlanden fanden. Der erste Campingplatz war rd. 500 m vom Ufer entfernt. Einen eigenen Bootswagen hatten wir nicht mit, da wir davon ausgingen, dass alle Campingplätze unmittelbar am Ufer lägen und wir das Gewicht sparen wollten. Aber der Campingplatzbetreiber war sehr freundlich und hat uns seinen Bootswagen zur Verfügung gestellt, so dass der Transport des vollen Bootes kein Thema war. Er hatte auch einen eigenen kleinen Kanuverleih und war so auf die Bedürfnisse von Paddlern eingerichtet. Nachdem wir den ganzen Tag an einzelnen kleinen Strandbädern und Badestellen Kinder im Wasser gesehen hatten, wollten wir uns jetzt selbst durch ein schnelles Bad im klaren Wasser zumindest kurz abkühlen. Dieses war dann erfrischend, die Temperatur des Wassers war aber deutlich kälter als gedacht und konnte als sportlich bezeichnet werden. Es kostet Überwindung komplett ins Wasser einzutauchen. Im nahen Supermarkt gab sich die Gelegenheit nochmals gut einzukaufen und ein schönes Abendessen zu gestalten. Wir waren die einzigen mit Zelt auf dem Campingplatz. Die Hälfte bestand aus Dauercampern, der Rest war mit einem Wohnmobil unterwegs.

Der nächste Morgen begann mit feinstem Sonnenschein. Die vom ersten Tag an angekündigten Gewitter wurden in der Vorhersage wieder einen Tag nach hinten geschoben. Da dieser Campingplatz zu der Vereinigung TCS Camping gehört, war es hier möglich, kostenlos die über W-Lan bereitgestellte Startseite des Platzes zu öffnen, auf der der aktuelle Wetterbericht der nächsten drei Tage gezeigt wurde.

Ausgeschlafen und mit dem geliehenen Bootswagen ging es wieder an den See. Entlang des mit dichten Wäldern bewachsenen Ufern und einzelnen steilen Felswänden ging es durch die Engstelle des Sees. Das Ziel des Tages war Horw. Mit den auf dem Faltblatt vorgegebenen Strecken und der Ansage, im Bereich des Ufers zu bleiben, wurden die ursprünglich geplanten Strecken ein wenig länger, da jede Kurve des Ufers teilweise ausgefahren wurde.  
 

Blick über den See

 

Kurz vor Stansstad konnten wir in einem kleinen ehemaligen Schutzhafen anlanden und im Schatten der bis ans Wasser reichenden Bäume eine Pause machen. Schönes Wetter und Sonnenschein sind zwar sehr schön, aber ein schattiges Plätzchen hat auch was für sich. Da man nicht zu dicht ans Ufer fahren darf, schien uns den ganzen Tag die Sonne auf den Kopf. In diesem Bereich trafen wir auch die Kiesbagger. Diese schwimmen auf dem See, haben eine fixe Leitungsverbindung zum Land und der Kies wird über Schiffe abtransportiert. Es ist aber kein Problem diese großzügig zu umfahren. Eine zweite Pause konnten wir an einer öffentlichen Badestelle mit einem flachen Kiesstrand in Hergiswil machen.  

Ab hier war es nicht mehr weit zu unserem Tagesziel Horw. Am Vorabend hatten wir bereits mit dem zweiten Campingplatz telefoniert und uns angemeldet. Dieser ist zwar nur durch einen Weg vom See getrennt, aber dieser und der komplette umliegende Uferbereich liegen mitten im Naturschutzgebiet. Das Betreten und erst recht das Anlanden ist strengstens verboten. Wir wurden durch die Campingplatzbetreiberin auf das nahegelegene Strandbad verwiesen. Hier sollten wir aussteigen und von dort durch das Strandbad das Boot tragen. 

 

Steilfelsen am Ufer

 

 

Am frühen Nachmittag kamen wir dann am Strandbad an und konnten dort auch aussteigen und das Boot entladen. Der Campingplatz war rd. 250 m entfernt und von der Rückseite aus durch ein kleines Tor zugänglich. Praktischerweise lagen hier auch die Standplätze für die Zelte. Wie auch beim Campingplatz in Buochs hatten wir hier keine Probleme einen Platz zu bekommen, da überwiegend Camper mit Wohnwagen und -mobilen auf dem Platz standen. Mit im Preis inbegriffen war auch eine Freikarte für das Strandbad, welche wir auch nutzten um wieder in den kühlen See zu springen und uns den Schweiß vom Körper zu spülen. Das Wasser war auch hier klar und die Temperatur sportlich, was die Schweizer aber nicht im geringsten störte. Für einen Einkauf im nahen Ort war es leider nach dem Bad zu spät, so dass wir den Brötchenservice des Platzes nutzten. Das Wetter wurde schwül und die lange angekündigten Gewitter meldeten sich an.  

Die Nacht und der nächste Morgen bescherten uns dann den bereits seit mehreren Tagen angekündigten Regen inklusive Gewitter. Gegen 10 Uhr hörte aber auch der Regen wieder auf. Dies hatte aber zur Folge, dass das Strandbad nicht geöffnet hatte und wir auf eine andere Einsatzstelle angewiesen waren. Den Hinweis, einfach durch das Schilf des Naturschutzgebietes einzusetzen, überhörten wir aber beflissentlich. Stattdessen borgten wir uns eine Schubkarre und setzten am rd. 1,2 km entfernt liegenden Hafen von Horw über eine öffentliche Sliprampe ein. Vom Campingplatz aus war dies mit ein Fussweg von ca. 20 min verbunden, den wir zwei mal, einmal mit Gepäck und Schubkarre und einmal mit Boot, laufen mussten. Entsprechend spät kamen wir los. Aber dafür war der Regen verschwunden. 

Wir hatten vorab mehrfach überlegt, die Tour hier abzubrechen und mit dem Zug zurück zum Auto zu fahren, da wir keine Lust hatten das zum See zugehörige Warnsystem zu testen. Es gibt am Ufer des Sees in regelmäßigen Abständen insgesamt 11 Sturmwarnlichter. Diese haben zwei Warnstufen, die bei Unwettern, Starkwinden, Stürmen etc. zum Verlassen des Sees auffordern. Bei der ersten Stufe sollte man sich darauf vorbereiten den See zu verlassen und bei der zweiten Stufe sollte man ultimativ den See verlassen. Aber das Wetter sah, nachdem der Regen verzogen war, stabil aus und das wurde auch von den Ortsansässigen bestätigt.
  

Der Schillerstein/Mythenstein
Der Schillerstein/Mythenstein


Im Schutze des Ufers ging es erneut an Villen, Häusern und Bootshäusern vorbei bevor wir wieder den See queren durften. In diesem Bereich wäre es unmöglich gewesen anzulanden. Diese letzte Etappe führte uns zum 3. und letzten Campingplatz Merlisachen, der gegenüber den beiden letzten wieder eine eigene Badestelle mit eigenem flachen Kiesstrand hatte, an der wir mit dem Faltboot anlegen konnten. Ein letztes Mal auf dieser Reise bauten wir das Zelt auf. Eigentlich wollten wir auch die letzte Etappe noch paddeln. Aber das Wetter blieb unbeständig und auch der Campingplatzbetreiber konnte uns keine optimistische Ansage machen. So fuhren von hier aus mit dem Zug nach Flüelen zurück, um den Wagen nachzuholen. Der stand auch noch wie abgestellt am Parkplatz.

Die Entscheidung, die Tour hier abzubrechen, bestätigte sich am nächsten Tag. Wir haben uns vor der Rückfahrt noch Luzern angeschaut - im Regen. Und auch die Rückfahrt starteten wir im Regen. Die Etappe von Merlisachen nach Buochs zurück wäre in einem Rutsch auch recht lang ausgefallen. Der schlechte Zugang zum Ufer bedingt durch Steilufer und viele Privatgrundstücke lädt auch nicht dazu ein, bei wechselhaftem Wetter zu pokern, da man nicht mal schnell anlegen und das schlechte Wetter abwarten kann. Und das kann in den Bergen ziemlich schnell aufziehen.

 

Blick auf Luzern


Insgesamt finden wir, dass sich der See für eine Mehrtagestour sehr gut eignet. An der Ost- und an der Westseite haben fast alle Dörfer und Städte einen Bahnhof. So kann man auch innerhalb von zwei oder drei Tagen den See nur überqueren und dann bequem das Auto nachholen. Die Campingplätze haben - trotz anderem Eindruck aus dem Luftbild - nicht alle einen direkten Wasserzugang. Deswegen ist die Mitnahme eines Bootswagens sehr zu empfehlen. Man sollte aber eine gute Kondition haben, da die Anlandemöglichkeiten durch Steilufer und Privatgrundstücke begrenzt sind.

Wir waren Anfang Juni am / auf dem See. Das Wetter war super ( vom Ende abgesehen ) und mit etwas Überwindung konnte man sogar schwimmen gehen. Aber da keine Urlaubs- und Ferienzeit war, konnten wir die Boote auf dem See an einer Hand abzählen. Den Geschichten der Campingplatzbetreiber / Kanuverleiher und einigen ausgehängten Luftbildern nach zu urteilen, sieht das im Sommer aber ganz anders aus. Mit mehr Verkehr werden auch die Seequerungen selbst an den vorgeschriebenen Stellen schwieriger. Aber der See wird groß genug sein, um jedem ein Plätzchen zu verschaffen. 

Ein Bericht von Bettina und Fredi, Juni 2012

Links zum Thema:

Kanurouten Vierwaldstätter See

Allgemeine Tourismusseite "Lake Luzern"