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Die Wakenitz fließt aus dem Ratzeburger See ab und verläuft auf einer Länge von 14,9km im Wesentlichen in nördlicher Richtung, bis sie schließlich die Hansestadt Lübeck erreicht. Während der deutschen Teilung bildete sie auf langer Strecke die Grenze zwischen West- und Ostdeutschland und ist daher auch heute noch sehr naturbelassen. Paddelt man auf diesen Abschnitten der Wakenitz, hat man das Gefühl durch einen unberührten Urwald, einer Art nordischen Amazonas, zu paddeln.

Außer an Restaurants ist das Anlanden an beiden Ufern verboten und wäre, weil es so sumpfig ist, auch meist recht schwierig. Eisvögel sind keine Seltenheit und mit viel Glück kann man sogar Nandus sehen. Diese südamerikanischen Laufvögel sind zwischen 1990 und 2009 aus einer schlecht umzäunten Zuchtanlage auf der Westseite entkommen. Man sagt sie seien über die zugefrorene Wakenitz auf das Ostufer gelangt und hätten sich von dort aus auch bis an den Ratzeburger See verbreitet. Im dortigen Naturschutzgebiet fühlen sie sich offenbar wohl und im Jahre 2016 wurden bereits 250 Exemplare gezählt.

Nun, wir haben leider keine Nandus gesehen als wir von Römnitz am Ratzebruger See aus nach Norden paddelten. Bei Wind mit 4-5bft aus südwestlicher Richtung verlangte uns der See auch einiges ab und uns blieb wenig Muße am Ufer nach entlaufenen Vögeln Ausschau zu halten. In Rothenhusen, am nördlichen Ende des Ratzeburger Sees, gelangten wir schließlich etwas ausgepowert endlich in die Wakenitz. Auf dem Fluss merkte man von den Verhältnissen auf dem Ratzeburger See rein gar nichts mehr. Man muss hier übrigens die rechte breitere Zufahrt zur Wakenitz benutzen, denn die linke Zufahrt wird von einer sehr flachen Brücke überspannt. Nur Limbo-Tänzer kommen hier mit ihren Kajaks durch.

In Rothenhusen findet man gleich zwei Stege für eine erste Pause. Auch ein Restaurant direkt am See kann hier genutzt werden. Wir haben uns dort allerdings mit einem kleinen Picknick am Steg begnügt. Danach begann der gemütliche windstille Teil der Tour.

Wir folgten  nun der Wakenitz nach Norden, die sich ohne spürbare Strömung in Richtung Lübeck schlängelt. Links und rechts blickt man schon bald in einen naturbelassenen sumpfigen Wald. Baumleichen in allen Verrotungsstadien liegen am Rand, versperren aber niemals den Weg, weil es auf der Wakenitz auch eine Personenschiffahrt gibt, mit der Ausflügler von Lübeck aus bis nach Rothenhusen fahren können. Dies sind einige der wenigen Schiffe die von einem Verbrennungsmotor angetrieben werden, denn dafür benötigt man auf der Wakenitz eine Sondergenehmigung. Ansonsten begegnet man nur elektrisch und von menschlichen Muskeln angetrieben Booten.

Nach etwa 2/3 der Strecke mehren sich schließlich die Zeichen der nahenden Großstadt und man blickt auf die Wasserseite wunderbarer Gärten in deren Hintergrund Villen durch die Bäume schimmern. Am Horizont sieht man hier bereits die Kirchtürme von Lübeck hervorragen. Nun ist es nicht mehr weit bis zum Ende der Wakenitz. Ja richtig, die Wakenitz hat ein Ende und keine Mündung.

Früher mündete die Wakenitz direkt in die Trave, wurde aber im Zuge des Baus des Elbe-Lübeck-Kanals 1896-1900 aufgestaut. An diesem Damm, dem Falkendamm, endet heute die Wakenitz und dort endete auch unsere Tour.

Von hier aus kann man auf den Kanalhafen umtragen und dann rund um die Lübecker Altstadt paddeln. Die optimale Umtragestelle liegt aber nicht am Falkendamm. Man folgt hier besser dem Zufluss zum Düker, der heute die Wakenitz unter dem Elbe-Lübeck-Kanal hindurch in den Krähenteich entwässert, und umgeht so das Umtragen über eine stark befahrene mehrspurige Straße.  Von der Einsatzstelle aus kann man die Altstadt umrunden und schließlich die Trave hinunter bis Travemünde und dann noch bis in die Lübecker Bucht paddeln. Sicher eine schöne und lohnenswerte Tour.

Übernachten kann man beim Verein für Kanusport Lübeck e.V. am Falkendamm der auch einen Zeltplatz bei Travemünde auf dem Priwall betreibt.

Tourdetails: