Rhein Neuss (Rhein-km 735,7) bis Duisburg (Rhein-km 781,1) - 45,4 km bei Pegel 222cm im Frühjahr 2026
Dieser Abschnitt des Niederrheins bietet einen faszinierenden Kontrast zwischen dem historischen Charme der Quirinusstadt Neuss und der beeindruckenden Industriekulisse des Duisburger Nordens. Mit einer ordentlichen Strömungsunterstützung im Rücken verwandelt sich diese Langstrecke in einen dynamischen "Rhein-Ritt".
Aufbruch in der Quirinusstadt
Der Einstieg erfolgt im Sporthafen Neuss (Rhein-km 735,7), der sich geschützt in einem Nebenarm direkt hinter der Erftmündung befindet. Der Hafen bietet über Steganlagen einen komfortablen und strömungsfreien Einstieg.

Die Passage Düsseldorf (km 740 – 748)
In diesem Abschnitt zeigt sich der Rhein von seiner prachtvollsten Seite. Als Paddler hält man sich hier idealerweise auf der linken Rheinseite. Während man an den weitläufigen Oberkasseler Rheinwiesen entlanggleitet, entfaltet sich rechts das volle Panorama der Landeshauptstadt.
Vor der Rheinkniebrücke hat man den perfekten Blick auf den Rheinturm, den Paradiesstrand am rechten Ufer und die silbrigen Kurven der Gehry-Bauten im Medienhafen.
Ab hier lohnt es sich, das Paddel ruhen zu lassen und sich von der kräftigen Strömung durch die Stadt ziehen zu lassen.

Zwischen der Rheinkniebrücke und der Oberkasseler Brücke gleitest du entlang der Düsseldorfer Altstadt mit Blick auf die Kasematten und die Rheinpromenade.
Nach der Oberkasseler Brücke grüßen die Kuppel der Tonhalle und der goldene Adler der Bezirksregierung vom rechten Ufer, bevor die imposante Theodor-Heuss-Brücke den Abschluss bildet.

Mit einigen Paddelschlägen erreichst du die Theodor-Heuss-Brücke

Die Ruhe vor dem Stahl (km 748 – 761)
Sobald die Theodor-Heuss-Brücke im Rückspiegel verschwindet, atmet der Fluss auf. Die Ufer treten weiter auseinander, und der Strom ist geprägt von weitläufigen Auen sowie flachen Kiesstränden.
Bei Rhein-km 761 passierst du Kaiserswerth. Die massiven Backsteinmauern und die markante Basilika St. Suitbertus bilden eine fast schon majestätische Kulisse.
Hier zeigt sich der Rhein von seiner zeitlosen Seite – ein starker Kontrast zu den modernen Glasfassaden, die man erst vor einer Stunde passiert hat.

Die Sand- und Kiesstrände im Bereich von Bockum am linken Rheinufer laden förmlich dazu ein, das Boot auf den weichen Sand gleiten zu lassen und eine Pause einzulegen.
Während man die Boote sicher auf das Ufer geschoben hat, kann man den Blick über den Strom schweifen lassen. Auf der gegenüberliegenden Seite blickt man auf Bockum, das mit seinen gepflegten Häuserreihen fast wie eine Postkartenidylle wirkt.
Die knorrigen, alten Bäume am Uferrand bieten nicht nur ein tolles Fotomotiv, sondern vermitteln auch ein Gefühl von Wildnis mitten in einer der am dichtesten besiedelten Regionen Europas.

Kurs auf die Industrie (km 765 – 775)
Ab km 765 verändert sich die Szenerie erneut. Während man auf die Rheinbrücke Krefeld-Uerdingen zupaddelt, tauchen am linken Ufer die ersten Ausläufer des Chemieparks Krefeld-Uerdingen auf. Kräne, Verladestationen und Rohrleitungen ersetzen die grünen Wiesen.
Bei km 766 unterquert man die Rheinbrücke Krefeld-Uerdingen. Die denkmalgeschützte Hängekonstruktion wirkt aus der Perspektive eines Paddlers wie ein gigantisches Tor, das den Übergang von der ländlichen Idylle in das industrielle Herz des Ruhrgebiets markiert.

Der Chempark Uerdingen schiebt eine gewaltige Skyline aus Stahl in den Blick. Kilometerlange Rohrleitungen, Kesselwagenstationen und die markanten Kraftwerksschornsteine ziehen an dir vorbei.
Kaum liegen die Chemieanlagen hinter dir, folgen die nächsten Monumente: In Rheinhausen ragen die stählernen Verladekräne wie riesige Skulpturen vom Logport in den blauen Himmel.
Ab km 770 passierst du die Hüttenwerke Krupp Mannesmann (HKM).
Die riesigen Hallen auf der rechten Rheinseite, Kräne, Hochöfen und die werkseigenen Hafenanlagen bilden eine beeindruckende Wand aus Stahl und Beton.
Ein besonderes Detail wartet im Hintergrund: Zwischen den massiven Industrieanlagen erhascht man einen Blick auf die glitzernden Windungen der Skulptur „Tiger & Turtle“.
Es folgt die Hochfelder Eisenbahnbrücke, durch die hindurch bereits die Brücke der Solidarität zu sehen ist.

Das Tor zum Revier
Die Brücke der Solidarität (km 775) ist das symbolträchtige Tor zum Duisburger Hafenraum.
Unter ihrem stählernen Bogen hindurchzupaddeln, markiert den endgültigen Einzug in das „Revier“. Kraftwerke und Hüttenwerke säumen ab nun den Horizont.
Der Kontrast zum morgendlichen Start in Neuss könnte nicht größer sein.

Während es an der auf der rechten Rheinseite befindlichen Zufahrt zum Duisburger Innenhafen vorbeigeht, nähert man sich der Rheinbrücke Neuenkamp, auf der die A40 über den Rhein geführt wird.
Oft als Ruhrschnellweg bezeichnet, ist die A40 die wichtigste Ost-West-Verbindung und zentrale Verkehrsachse durch das Ruhrgebiet.

Nun bist du „mittendrin“, wie der Ruhrpottler sacht – in der „Stadt der Brücken“, wie Duisburg oft genannt wird.

Wo der Rhein Orange trägt: Die Ruhrmündung (km 780)
Unser Ziel liegt kurz hinter der Ruhrmündung, direkt nach der Friedrich-Ebert-Brücke, auf der linken Flussseite.
Da sich unser Verein Essener Faltboot-Fahrer e.V. direkt an der Ruhr befindet, ist das an diesem Tag leuchtende „Rheinorange“ – die Skulptur, die den Punkt markiert, an dem die Ruhr in den Rhein fließt – ein echtes Highlight.
Leider hat man kaum Zeit, der Mündung der Ruhr, die dem Revier seinen Namen gegeben hat, gebührend zu huldigen.

Um zum Rheinpreußen-Hafen zu gelangen, musst du nun die Fahrrinne queren und die Rheinseite von rechts nach links wechseln.
Wie schon auf den gesamten letzten 45 Kilometern gilt: Den Binnenschiffsverkehr musst du immer genau beobachten.
Während man die Bergfahrer meist frühzeitig erkennt, ist die Geschwindigkeit der Talfahrer oft schwer einzuschätzen. Daher musst du dich frühzeitig auf das Manöver vorbereiten.
Sobald du die Mole des Hafens passiert hast, ändert sich alles: Das unruhige Wasser des Rheins bleibt draußen. Plötzlich ist es still, das Wasser im Hafenbecken ist spiegelglatt und reflektiert die historischen Gebäude am Ufer.
Auf dem Weg zum Steg passierst du das Schulschiff RHEIN. Das markante weiße Schiff ist ein schwimmendes Internat für angehende Binnenschiffer. Es ist ein schöner Hinweis darauf, dass hier im Hafen nicht nur gearbeitet, sondern auch die Zukunft der Schifffahrt ausgebildet wird.
Dann folgt für uns Kajakfahrer das übliche „Gerödel“: Die Boote werden aus dem Wasser gehoben, über den Anstieg am Steg nach oben auf den Platz gebracht und verladen.
Mit dem Auto geht es schließlich zurück zur Einsatzstelle, um das dort verbliebene Fahrzeug abzuholen.
