, Mittmann Anne

Die Semois von Chiny bis Bouillon

In den wilden Ardennen

Bei meiner letzten Tour vor Ewigkeiten an die Semois hatte es davor kräftig geregnet. Der Pegel war toll - aber der Fokus da sehr auf zwei kleinen Kindern, die immer drohten, komplett schlammverschmiert ins Zelt zu kriechen, der Zeltplatz eine Schlammschlacht, und es regnete weiter. Aber jeder Fluss hat eine zweite Chance verdient! Und so ging es mit sechs EFFlern und Susanne vom Steeler Kanuclub, die uns mit ihren Semois-Erfahrungen vom Vorjahr unterstützen konnte, über den 1. Mai für drei Paddeltage in die wilden Ardennen!

Als Standplatz wählten wir den Camping de la Semois in Sainte-Cécile. Von der etwas sperrigen Homepage und Reservierungsmaske sollte man sich nicht abschrecken lassen! Zwar sind die Sanitäranlagen etwas rustikal, aber das Gelände ist wirklich sehr schön, die flämischen Betreiber sehr herzlich, und am Empfang ist ein Bistrobereich, wo man draußen oder warm und trocken drinnen mit Getränken und Snacks versorgt wird. Für Paddler ist der Platz eine empfehlenswerte Basis.

Im blauen Bereich der Campingzonen sind die Stellplätze mit ca. 100 m² großzügig genug für 4  bis 5 kleine Zelte. Und Autos dürfen in diesem Bereich des Campings, der auch autofreie Bereiche hat und ein Abstellen auf dem vorgelagerten Parkplatz nahelegt, gegen Aufpreis auch am Stellplatz abgestellt werden. An den langen Maifeiertagswochenenden ist der Campingplatz wohl gut belegt. Der 1. Mai lag diesmal zufällig auf einem Freitag, so dass auch hier ein langes Wochenende entstand, allerdings mit sehr überschaubarem Andrang, so dass wir ohne Probleme auch ohne Reservierung hätten anreisen können.

Ein Problem stellte nach einigen trockenen Wochen jedoch der Pegel dar. Angaben zu Flussverlauf und Befahrungsregeln findet man z.B. in der CanuaApp (es gibt Mindest- und Höchstpegel und Zeitbeschränkungen), aktuelle Pegel in der RiverApp. Mit einem Durchluss von gut 3 m³/s in Chiny und 6,7 m³/s in Membre waren wir zwar offiziell noch gut im grünen Bereich und die zahlreichen Bootsverleiher schickten sorglos ihre Gäste aufs Wasser. Doch besonders die etwas tiefer liegenden unserer Boote hatten immer wieder kratzenden Bodenkontakt, mussten freigeruckelt oder sogar durch flache Stellen gezogen werden. Geringe Strömung und kratziges Fortkommen ließen uns in der Gruppe keine 5 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit erreichen, was unsere erste ambitionierte 26 km-Etappe zu einem langen Tag werden ließ. Diese Durchlusswerte würde ich also im Nachhinein für eine Befahrung als sehr grenzwertig einschätzen! 

Nach dem 2. Paddeltag füllte sich der Fluss nach einem heftigen Abendgewitter und weiteren Schauern allerdings dann mit dem dringend benötigten Wasser. Der Durchfluss in Chiny stieg auf 4,8 m³/s und auf 6 m³/s in Bouillon (in Membre an der französischen Grenze kommt das Wasser erst zeitverzögert an, die Werte von dort sind für die obere Flussabschnitte dann wenig aussagekräftig). Damit war ein schöner Stand erreicht, der ein flüssigeres Befahren und Genießen ermöglichte und mit einer angenehmen Grundströmung auch ein etwas schnelleres Fortkommen. 

Fazit: Diese Werten sollte es schon haben, alles darunter ist als wirklich sehr knapp anzusehen!

An Tag 1 ging es vom Camping Le Canada in Chiny über 26 km bis zu unserem Camping de la Semois. Bis Florenville führt die Semois dabei unschwierig durch vor allem waldiges Gebiet. Mehrere halbverfallene Wehre können auf Sicht an Durchlässen unkompliziert durchfahren werden. Ab Florenville weitet sich die Landschaft, und der Fluss wird flach. In unserem Fall ein schwieriger Umstand. 

Tag 2 startete am Camping und führte als kürzere Strecke die 11 km bis nach Herbeumont zur Moulin Willaime oder fortgesetzt über insgesamt 20 km zur Linglé-Brücke vor Mortehan. Bis Herbeumont fließt die Semois durch urige Wälder. Einige leicht verblockte Schwälle stellen dort etwas mehr, wenn auch eigentlich keine große Herausforderung dar. Ein Wehr mit zwei Durchlässen mit etwas ungemütlicher Walzenbildung 4 km nach Einstieg lässt sich umtragen. Herbeumont empfängt dann mit dem beeindruckenden Viadukt, unter dem man hindurchpaddelt. Anschließend geht es dann wieder in sich weitendem Gelände ruhig und unspektakulär weiter Richtung Mortehan und Cugnon.

An Tag 3 konnten wir uns dann wie gesagt endlich über mehr Wasser freuen! Ab dem Camping Saint-Remacle in Cugnon sollte es als kurze Etappe in 12 km bis nach Dohan gehen bzw. in insgesamt 26 km bis zur Aire La Vanne in Bouillon. Die gesamte Etappe führt durch wilde Wälder und eine Landschaft, die fernab jeder Zivilisation erscheint. Die Semois fließt dabei immer wieder durch kleine offene Schwälle ohne Schwierigkeiten. Ein purer Genuss! In Bouillon endet die Fahrt dann mit Eintritt in städtisches Gebiet, die Burg thront beeindruckend über der Stadt. Und für uns war am großen Wehr an der Aire La Vanne Schluss. Die Promenade am Flussufer mit zahlreichen Cafés und Restaurants lädt zu Waffeln, Eis und - an diesem etwas nassen Tag - wärmenden heißen Getränken ein. Ein schöner Tourabschluss! Die Fortsetzung bis Poupehan und Alle heben wir uns fürs nächste Mal auf.

Sehr zu empfehlen ist beim Rückshutteln ein Stopp im hübschen Herbeumont, zum Beispiel zum Crêpes-Essen bei der Fille du Boulanger, zur Besichtigung der Burgruine und des Viadukts.

Vom Camping de la Semois erreicht man in einer halben Stunde Fußweg das malerische Chassepierre mit der Brauereischänke Le Relais, wo es sich sehr lecker essen lässt.

Beim richtigen Pegel ist die Semois ein absolut lohnendes Paddelziel in einer herrlichen Gegend! Und wer nicht paddeln mag, kann wandern. Oder Waffeln essen. Oder die zahlreichen belgischen Biersorten probieren. Oder oder. Und uns fehlt noch die Fortsetzung ab Bouillon! Wir kommen wieder!

A la prochaine - bis zum nächsten Mal!