, Gunther Schwachenwalde

Weichsel und Memel, die großen Flüsse des Ostens.

Wir, das sind 14 Mitglieder unseres Vereins, die sich mit ihren Wohnwagen-Gespannen und Wohnmobilen auf den Weg nach Osten gemacht haben

Weichsel und Memel, die großen Flüsse des Ostens.

(15. Juni bis 13. Juli 2024)

 

Eine sommerliche Vereinsfahrt nach … Ja, wohin eigentlich??? Nach Polen und Litauen? Den Osten der EU? In ehemalige deutsche Siedlungsgebiete oder gar in die Nähe eines unseligen Konfliktes, der durch den Überfall Russlands auf die Ukraine ausgelöst wurde. Wohin also???

Jedenfalls in ein Gebiet, das historisch immer umstritten war, in dem unendlich viel Blut vergossen wurde und in dem heute wieder die Frage nach einer friedlichen und sicheren Zukunft für uns alle gestellt wird.

Solche Gedanken im Hinterkopf bereisen wir ein großartiges Paddelgebiet, denn das ist ja der Hauptgrund, weshalb wir die Reise hin zu diesen wunderbaren Flüssen und Landschaften unternehmen.

Wir, das sind 14 Mitglieder unseres Vereins, die sich mit ihren Wohnwagen-Gespannen und Wohnmobilen auf den Weg nach Osten gemacht haben. Nach einer Zwischenübernachtung südlich von Stettin, wobei der Aufenthalt eine Besichtigung der Stadt für Interessierte einschloss, bezogen wir unser erstes richtiges Standquartier in Malbork, dem ehemaligen Marienburg.

 

 

Unser Campingplatz lag am Ufer der Nogat, einem früheren Mündungsarm der Weichsel (Wisla), und wir hatten einen phantastischen Blick über den Fluss auf die restaurierte Hauptburg der Deutsch-Ordensritter, eine der prächtigsten Burganlagen ganz Europas.

In den folgenden Tagen machten wir zwei Fahrten auf der Nogat, wobei der Fluss durch Schleusen und Sperrwerke begrenzt wurden, er ist halt von dem Hauptstrom der Weichsel abgetrennt.

Dies tut aber der Großartigkeit des Landschaftserlebnisses keinen Abbruch: Eine solche Weite, die Ruhe, die man förmlich atmen kann, findet man kaum in unseren Breiten.

Selbstverständlich machten wir auch einen Ausflug (mit der Eisenbahn) nach Danzig, das durch die wiedererrichtete, kriegszerstörte Altstadt einen nachhaltigen Eindruck machte.

Unser nächstes Standquartier bezogen wir auf dem Camp Sonata in der Nähe von Stynort (Steinort) am Dargin-See im Zentrum der masurischen Seenplatte. Der Platz ist ursprünglich ein weitläufiger Bauernhof mit direktem Zugang zum See, was zum Baden und natürlich zur einen oder anderen Paddeltour einlud.

 

In der Nähe unseres Standquartiers mäanderte der Fluss Sapina durch die masurische Landschaft, ein Fluss, der durch mindestens eben so schöne Gegenden führt wie der berühmte polnische Paddelfluss, die Krutynia,  nur, dass es hier – an der Sapina – viel weniger Touristen gab und der Naturgenuss entsprechend hoch war.

In den sieben Tagen unseres Aufenthalts in Masuren ergab sich für Interessierte ebenso die Möglichkeit, eine Reihe von historischen Orten zu besuchen. Ganz nahe zum Campingplatz war z. B. das Schloss derer von Lehndorff gelegen, dessen letzter Besitzer, Heinrich Graf v. Lehndorff, wegen Beteiligung am Attentat auf Adolf Hitler am 20. Juli 1944 von den Nazis ermordet wurde.

Nach der Zeit in Masuren ging es weiter nach Litauen, und zwar nach Bristonas, einer kleinen, aber feinen Kurstadt an der Memel, ca. 50 km von Kaunas entfernt. In der Umgegend von Bristonas schlängelt sich die Memel durch eine weitgehend unberührt erscheinende Landschaft. Der Fluss hat hier einen majestätischen Charakter und trägt einen mit einiger Geschwindigkeit mit sich.

Außer, man paddelt flussaufwärts, was uns bei einer Tour, die zunächst über die Verkne, einen Nebenfluss der Memel, vergönnt war! Diese Verkne hatte es in sich, denn sie entpuppte sich als eine Art Wildwasserfluss, auf der man schon mal auf einem eiszeitlich glattgeschliffenen Unterwasserfelsen festsitzen konnte oder aber gezwungen war, sich mit den Händen paddelnd von einer Kiesbank zu befreien.

 

 

 

 

Aber das tat der Liebe zum Kajakfahren und dem Naturgenuss keinen Abbruch.

Der Höhepunkt der Reise – jedenfalls für mich – war schlussendlich der Aufenthalt in Ventes an der Kurischen Nehrung. Das Hinterland von Ventes ist wenig spektakulär, abgesehen von der alten Vogelstation – der ältesten Europas - in Ventes selbst.

Aber der Blick vom Campingplatz über das Haff auf die Kurische Nehrung mit dem Ort Nidda war umso spektakulärer.

Das Memeldelta von hier aus im Kajak zu erkunden, ist beeindruckend. Auf dem Haff selbst zu paddeln, hatten wir wegen der Strömung und des Windes keine Traute – Sicherheit geht vor!

Immerhin haben wir mit dem Fahrgastschiff übergesetzt (1 ½ Std. Fahrzeit) und konnten die berühmte Wanderdüne und den Sommerwohnsitz von Thomas Mann erkunden.

Nach einigen Tagen ging es abends in Klaipeda auf die Autofähre und zurück nach Kiel.

Großartige vier Wochen lagen hinter uns. Dank an den Organisator und an alle Mitreisenden für ihre Begleitung.