, Klapp Jörg

DKV Umweltschulung

Sensibilisierung für ein naturverträgliches Paddelverhalten im Bezirk 8

Mehr als nur „kein Müll“ – die Öko-Schulung beim RaWa

Am 11.04.2026 fand beim RaWa in Essen-Werden die von den meisten Aktiven als „Öko-Schulung“ bezeichnete Naturschutz-Veranstaltung statt. Da die Teilnahme Voraussetzung für das Befahren einiger Flussabschnitte und den Erwerb bestimmter DKV-Wanderfahrer-Sportabzeichen (WFA) ist, ging ich anfangs mit einiger Skepsis zur Schulung. Mein Gedanke: „Es ist doch klar, dass ich keinen Abfall in den Fluss werfe.“ Doch schon bald wurde klar, dass ein viel umfassenderer Blick auf einen Paddeltag notwendig ist.

Von der Pfütze bis zum Meer: Das Ökosystem Fluss

Zu Beginn tauchten wir tief in den Wasserkreislauf ein – von der Verdunstung über den Regen bis hin zur Mündung ins Meer. Wir besprachen die verschiedenen Abschnitte eines Flusses (Oberlauf, Mittellauf, Unterlauf) und wie sich diese in Fließgeschwindigkeit, Gewässertiefe, Temperatur sowie Sauerstoff- und Nährstoffgehalt unterscheiden.

Interessant waren die Einblicke in die Fließdynamik:

  • Natürliche Strukturen: Wie entstehen Kies- und Sandbänke und warum sind sie als „Kinderstube“ für Fische so wichtig?

  • Mäandrierung: Wie formt die Erosion die typischen Flussschleifen eines naturbelassenen Bettes?

  • Menschliche Eingriffe: Welche negativen Folgen haben Begradigungen, Verbauungen und Sperren für die Selbstreinigungskraft des Wassers und die Brutplätze der Tiere?

Gerhard vom KKI zeigte uns Projekte zur Renaturierung, bei denen durch die Entfernung von Uferbefestigungen eine „Starthilfe für die Eigendynamik“ gegeben wird, um den Fluss wieder in seinen natürlichen Zustand zu versetzen.

Nachhaltige Logistik und Tourenplanung

Beim Thema Paddeln ging es weit über die Müllvermeidung hinaus. Aktiver Umweltschutz beginnt bereits lange vor dem Einsetzen des Bootes:

  • Planung: Wir prüften, welche Befahrungsbeschränkungen (z. B. an Wupper oder Rur) gelten und wie man die Gruppengröße umweltverträglich gestaltet.

  • Anreise & Umsetzen: Hier wurde diskutiert, wie man die Anzahl der Autos minimiert und stattdessen das Fahrrad oder den ÖPNV nutzt.

  • Pegelstände: Ein ausreichender Wasserstand ist essenziell, um Grundberührungen zu vermeiden und sensible Laichplätze im Kiesbett zu schützen.

  • Infrastruktur: Wo liegen offizielle Ein- und Ausstiegsstellen? Welche Pausenplätze schaden der Ufervegetation nicht?

Biosecurity: Invasive Arten im Gepäck?

Ein in Zukunft immer wichtigerer Punkt ist die Reinigung und Trocknung der Boote beim Gewässerwechsel. Um die Verbreitung invasiver Arten (Neobiota) wie der Quagga-Muschel, dem Signalkrebs oder der Wasserpest zu verhindern, ist sorgfältige Hygiene nach der Tour Pflicht.

Aktiver Naturschutz und Gemeinschaft

Zum Abschluss gab uns Gerhard wertvolle Tipps zu Internetseiten für die Tourenplanung und motivierte uns, an regionalen Aktionen wie dem „RuhrCleanUp“ oder dem Essener „SauberZauber“ teilzunehmen.

Der Lehrgang war dank vieler kurzer Lehrfilme insgesamt sehr kurzweilig und informativ. Auch das leibliche Wohl kam nicht zu kurz: Die Clubwirtin von RaWa versorgte uns mit Kaffee, Kaltgetränken, hausgemachter Kartoffelsuppe und selbst gebackenem Kuchen.

Den Abschluss bildete ein gemeinsamer Besuch der Fischaufzugsanlage am Stauwehr des Baldeneysees.

Ein herzliches Dankeschön an Gerhard vom KKI Kanu Klub Industrie und alle Beteiligten im Hintergrund für diese gelungene und lehrreiche Veranstaltung!